Rhinows Torfstechmeister im Sternberger Land

H.-U. Rhinow, Stand: 06.04.2002

Gliederung der Vorfahren und Erklärungen nach Ahnennummern (Kekulé) aus der Sicht meiner Söhne (1):

2048 Martin Rino, *~ 1623 ? - 1704 Vietznitz

1024 Martin Rino, *~ 1645 Vietznitz ? - 1716 Vietznitz

512 Christian Rino, * ~ 1667 Vietznitz

256 Hans Rino, *~ 1688 Vietznitz - 1741 Vietznitz

128 Christian Rino, * 1716 Vietznitz

64 Johann, Christoph Rino, * 1750, Vietznitz - ? Betzin

32 Gottfried Rinow, * 1784, Betzin - 1859 Reppen

16 Ludwig Rinow, *1810, Fehrbellin - 1881 Reppen

8 Otto Rhinow, *1853, Reppen - 1945 Reppen

4 Otto Rhinow, *1899, Reppen - 1966 München

2 Hans-Ulrich Rhinow, *1932, Reppen

1 Martin*1955/ Malte*1957/ Markus*1961/ Matthias,*1963 Rhinow, München (unsere vier Söhne)

 

Unsere Vorfahren lebten in 12.-7.. Generation in dem kleinen Dorf Vietznitz, südöstlich von Friesack an der Bahnlinie Berlin Hamburg, 20 km nordwestlich von Nauen gelegen. Dieses Dorf Vietznitz liegt eigentlich in der Region, wo unmittlebar östlich von Friesack das Rhinluch in das Havelländische Luch übergeht. Die Randgebiete des Rhinluches nordwestlich von Friesack waren bereits bald nach der letzten Eiszeit (ab 7000 v. Chr.) von Fischern und Jägern besiedelt und zählen somit neben Tegel zu den ältesten Revieren und Siedlungsgebieten in der Mark. Im 18. Jahrhundert stellte das Adelsgeschlecht der Bredows Guts- und Gerichtsherren in Vietznitz.

Von dem ältesten bekannten Vorfahren Martin Rino (2048), geb. ~1623, wissen wir nur, dass er 1704 in Vietznitz begraben wurde. Sein Sohn Martin Rino(1024) ist nach dem Kirchenbuch Vietznitz (KB ab 1700), am 19. April 1716 in Vietznitz begraben worden. Der Eintrag lautet: "Der alte Rinosche". Er muß etwa 1645 in Vietznitz geboren worden sein. Wir können davon ausgehen, dass in Vietznitz durch Martin Rino (2048) drei Linien der Rinos gegründet wurden. Eine davon endete mit dem Tod des einzigen Enkels einer dieser Linien im Jahre 1702. Von einem der drei Söhne Martin Rinos, Christian Rino (512) haben wir nur Kenntnis, weil er zwischen 1709 und 1716 mehrmals als Taufpate genannt wird. Er dürfte 1667 geboren sein. Sein Sohn Hans Rino (256) lebte von etwa 1688- 1741 in Vietznitz. Er heiratete 1711. Sein Sohn Christian Rino (128) war dort selbständiger Pfarrbauer. Ein Sohn von Christian Rino, Johann, Christoph (64) heiratete 1773 nach Betzin, 6 km südlich von Fehrbellin, 5 km von Hakenberg entfernt. Bei Hakenberg steht das Denkmal, das an die entscheidende Schlacht vom 18. Juni 1675 des Großen Kurfürsten gegen die in sein Land eingefallenen, räuberischen Schweden erinnert. Der brandenburgische Kurfürst konnte mit tatkräftiger Unterstützung seines damaligen Heerführers Friedrich von Hessen-Homburg das angesehene, gefürchtete schwedische Heer entscheidend schlagen und Preußen in der Folge ungestört zu einer europäischen Großmacht entwickeln. Dazu vorab ein paar interessante geschichtliche Hinweise zur historischen Orientierung.

Der Große Kurfürst hielt sich im Frühjahr 1675 in den Rheinischen Provinzen auf, um den französischen König Ludwig XIV., auch Sonnenkönig genannt, der immer wieder einmal die schwachen Widerstandskräfte des Kaisers zu eigenwilligen Beutezügen über den Rhein hinweg in deutsche Lande ausnutzte, in die Schranken zu weisen. Ludwig XIV. versuchte sich der nicht erwarteten Attacke der Preußen dadurch zu entziehen, dass er die damals an der pommerschen Küste anliegenden Schweden ihrerseits zu Raubzügen nach Preußen, das ja vorübergehend ohne ausreichende Schutztruppen war, animierte.

 

Tatsächlich kamen die Schwedischen in Abwesenheit der kurfürstlichen Streitmacht von Tremmen her plündernd durchs Havelland gezogen und hatten bereits Rathenow erobert und besetzt. In Eilmärschen zog der Kurfürst vom Rhein zurück ins Brandenburgische und konnte zuerst einmal am 16. Juni 1675 Rathenow zurückerobern. Die schwedische Besatzung wurde niedergemetzelt. Die restlichen schwedischen Truppen (7.000 Mann) flohen nach Osten Richtung Nauen und wollten zunächst die Niederungen nördlich von Nauen auf dem Dammweg und danach das Rhinluch an der schmalsten Stelle bei Fehrbellin (Brückenübergang) zur weiteren Flucht nach Norden überwinden. Der Große Kurfürst folgte den Schweden unmittelbar bis Nauen. Die schwedische Nachhut verließ die Stadt nach Norden zur gleichen Zeit, als Friedrichs Truppen im Süden einrückten. Hier veranlasste er Boten unter kundiger Führung eines Försters auf abgelegenen Wegen nach Fehrbellin vorauszueilen mit dem Befehl, die Brücken in Fehrbellin abzubrennen, in der Absicht, den Zug der Schweden so aufzuhalten und sie zum Kampfe zu stellen. Dieser Plan gelang. Nach diesem triumphalen Sieg erlebte Brandenburg eine friedliche, wirtschaftlich und kulturell nachhaltige Entwicklung, die Preußen politisch stärkte und zu seiner späteren Machtstellung in Europa verhalf. (Potsdamer Edikt: Hugenotten kamen ins Land regten neue Entwicklungen an, Henriette von Oranien, die niederländische Gattin des Kurfürsten brachte Fachleute für die Entwässerung der Luchgebiete, für die Viehzucht und den Schiffsbau nach Brandenburg).

 

Betzin, am südlichen Rande der Belliner Platte und nach Nordwesten hin zu den Niederungen des Rhin gelegen, war also im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts Heimatort meiner Vorfahren gewesen. Die Vorväter in Betzin schrieben sich noch R i n o w (ohne h). Ein breiter Dorfanger verläuft in nordsüdlicher Richtung. Rechts und links reihen sich heute etwa 8 Bauernhöfe und dazwischen auch einige niedrige Landhäuschen aneinander. Die schmucke Dorfkirche steht in der Mitte des Dorfangers. Nach Süden geht der Blick hinaus in ein weites Wiesen- Weideland, das durch erste Meliorationsmaßnahmen bei Nauen zwischen 1718 und 1724 und später durch Ausweitung dieser Trockenlegungen durch Friedrich d. Großen weitgehend landwirtschaftlich nutzbar wurde. Am 23.7.1779 fuhr der große König mit einer Kutsche anlässlich einer Besichtigungsreise des Havel- und Rhinluches durch das benachbarte Brunne. Fontane schreibt einen sehr lebendigen, naturalistischen Bericht über die Reisegespräche des Königs mit seiner Begleitung. Seit 1786 begannen übrigens Niederländer mit der Torfgewinnung in Linum, 7 km östlich von Betzin.

In dieser Zeit lebte also der adlige Bauer Johann, Christoph Rinow (64) mit seiner Frau Maria, Louise Schwampe (65), in Betzin.

Am 16.3.1784 wird ihnen in Betzin als jüngstes Kind der Sohn G o t t f r i e d

R i n o w (32) geboren. Seine Taufpaten waren am 19.3.1784 in Betzin der Bauer Johann Schultze, Gottfried Pankow, Anna, Sophie Paris und der Pferdehirte Thiele. Gottfried Rinow war 25 Jahre später bei seiner Eheschließung am 3.4.1809 in Feldberg = Fehrbellin/Mark mit Dorothea, Sophie Grell (33) aus Fehrbellin, Soldat des vormals Arnim´schen Regiments. Er verstarb am 4.2.1859 in der Torfgräberei bei Reppen (20 km östlich von Frankfurt a.O.).

Mein Vater (4) berichtet über seinen Lebensweg:

Gottfried Rinow (32) wuchs auf dem Lande im bäuerlichen Haushalt der Eltern auf. Vermutlich hatte er zahlreiche Geschwister und half bis zur Ableistung seiner Wehrpflicht, etwa 1804, seinen Eltern in der Landwirtschaft. Bei Ausbruch des Krieges gegen Napoleon diente er unter der Fahne seines Preußenkönigs Friedrich Wilhelm III. und hat wohl auch den Befreiungskrieg 1813 (gegen Napoleon) als Soldat erlebt. Unmittelbar danach wurde er aus der königlichen Armee aus unbekannten Gründen (Verwundung?) entlassen und übernahm mit seiner jungen Frau (33) eine Kolonistenstelle in Betzin.

Schon damals wurden langgediente Soldaten durch den König gefördert. So wurde er bald danach ~ 1816, Torfstechmeister der Stadt Frankfurt a.O. und wohnte in dem nordöstlich von Frankfurt gelegenen Torfhaus, das kirchlich und politisch zur Gemeinde Kunersdorf gehörte. Es ist das Kunersdorf, das 1759 durch die Schlacht Friedrich II. gegen Österreicher und Russen bekannt wurde.

Das Torfhaus lag also ganz abgelegen unmittelbar beim Torfstich nördlich von Kunersdorf am Rande des Odertales. Auf einer älteren Karte fand ich noch die Bezeichnung Torfhäuser an dieser Stelle. Hier bei Kunersdorf starb ihm am 26.10.1823 seine erste Frau wenige Wochen nach der Geburt ihres 6. Kindes, Auguste, Amalie Ernestine. Insgesamt gingen aus dieser Ehe folgende Kinder hervor:

Johann, Gottfried, Ludwig Rinow 1810 in Fehrbellin (16), mein Großvater,

der Name eines weiteren Sohnes ist unbekannt,

Friederike, Caroline, Wilhelmine, geb. 11.10.1815 in Kunersdorf

Friedrich, Wilhelm, Eduard, geb. 19.09.1817 in Kunersdorf

Heinrich, August, Ernst, geb. 30.08.1823 in Kunersdorf

Auguste, Amalie, Ernestine, geb. 30.08.1823 in Kunersdorf.

In zweiter Ehe wurden zwei Kinder geboren. Um das Jahr 1840 gab Gottfried (32) seine Stellung als Torfstechmeister der Stadt Frankfurt a.O. auf und machte sich selbständig durch Ankauf eines größeren Gebäudes in der Nähe der "Steinfahrt" bei Reppen (Weststernberg), am Rande der Eilangwiesen. Dort baute er selbst ein neues Wohnhaus mit Scheune und Stallungen auf. Dieser Ausbau gehörte zur Stadt Reppen und hatte die politische und postalische Bezeichnung "Reppen, Torfgräberei". Dieses Anwesen hat mein Vater noch gut gekannt. Mit seinen Eltern unternahm er häufige Spaziergänge dorthin, als dieser Besitz bereits dem Vetter meines Großvaters, Franz Rhinow, gehörte. Der letzte deutsche Besitzer bis 1945 war General Hubert Gräser auf Hubertushof (Besitz der früheren Familie Gersdorf auf Augustenmühle bei Reppen). Die Torfgräberei lag im Eilangtal, ringsum von Wald umgeben. Von Reppen aus war sie in einem Fußmarsch von 1 1/2 bis 1 3/4 Stunden zu erreichen. Man wählte die alte Matschdorfer Straße (sogenannte Letzenbahn) oder die neue Matschdorfer Chaussee, die unmittelbar über Steinfahrt (eine Waldschenke im Eilangtal) führte.

Zur Torfgräberei gehörten auch Äcker, Wiesen und ein Stück Wald. Anfangs wurde in erster Linie Torf gestochen. Der getrocknete Torf wurde von meinem Urgroßvater in den umliegenden Dörfern Matschdorf, Gräden, Aurith, aber auch in Reppen und Frankfurt verkauft. Für den Transport benutzte er sein eigenes Fuhrwerk. Durch den Torfabbau entstanden Teiche, die mit Fischen besetzt wurden.

So war das Auskommen der Familie durch Torfverkauf, Ackerbau, Viehwirtschaft und Fischerei ausreichend gesichert. Der Urgroßvater konnte sogar eine 2. Wirtschaft, die sogenannte Torfgräberei Reppen II gründen.

Die Anwesen erbten zwei seiner Söhne, Friedrich, Wilhelm und Heinrich aus erster Ehe, die in der Torfgräberei weiter arbeiteten und wirtschafteten. Ihre späteren Söhne Albert und Franz Rhinow, ebenfalls Torfstecher, waren Vettern meines Vaters (8). Von Franz Rhinow, dem Torfstechmeister erzählt sein Enkelsohn, dass er sehr naturverbunden war, gut malen und schnitzen konnte. Franz und Albrecht belieferten Geschäfte und Hotels nebenbei auch mit Wild und mit Fischen.

 

Gottfried Rinow starb am 02.04.1859 in der Torfgräberei b. Reppen. Seine Beerdigung erfolgte vom Hause des Tischlermeisters Heinrich Schwenzer in der Richterstraße, Ecke Schlossstraße aus. Seine Grabstelle war auf dem Reppener Friedhof ein Mauerwerkbegräbnis auf der linken Seite (südliche Seite) des Hauptweges. " (Soweit berichtete mein Vater, Otto Rhinow (4))

 

Zwei Stiefbrüder von Ludwig Rhinow (16), leibliche Söhne des Gottfried Rhinow (32) aus zweiter Ehe sind ebenfalls in Kunersdorf geboren worden und wohl nach Reppen mit verzogen Der ältere Franz, Emil, Albert war Buchbinder. Sein Bruder Carl, Julius, Adolf arbeitete ebenfalls als Torfstecher und wird mit dem Bruder zusammen in den Auswanderungspapieren nach USA aus dem Jahr 1850 als Torfstechmeister aus Reppen ausgewiesen. 1859 wanderte auch der Sohn von Carl, Julius Adolph, ein gewisser Franz, Julius Robert Rhinow nach USA aus. Franz, Julius, Robert Rhinow soll nach dem 1. Weltlrieg relativ reich aus Amerika zurückgekommen sein und bei seiner Schwester, einer verheirateten Uffelmann (Sägewerk), gelebt haben.

 

Nach dem Ausbau des Eisenbahnnetzes konnten Braunkohlebriketts billiger transportiert werden. Es war übrigens der Apotheker und Senator Müller aus Zielenzig, der als erster in der Neumark im Jahr 1801 bei Zielenzig einen "schwarzen Farbstoff" entdeckte, der dann als Braunkohle identifiziert wurde. Erste offizielle Untersuchungen erfolgten vom 22.06. bis 18.07.1802 durch den Bergreferendarius Riedel. In der Folge wurden reiche Braunkohlenvorkommen festgestellt. Auch in der Nähe von Reppen wurde Braunkohle gefunden und im Tagebau geschürft, auf dem Bahnhof in Hermania verladen. Der Torf verlor Ende des 19. JH. als Brennmaterial zunehmend an Bedeutung. Nach bisherigen Erkenntnissen waren die beiden Vettern Franz und Albert Rhinow die letzten Torfstecher im Eilangtal bei Reppen. Zur Zeit meiner Kindheit (2) war die Torfgewinnung im Eilangtal bei Reppen längst eingestellt. Häuser und Grundstücke gingen über in den Besitz von General Gräser, der bis 1945 den Hubertushof bewirtschaftete.

 

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